Ferien in Südfrankreich: Ardèche

Wer Urlaub in Frankreich verbringen will, der wird – sofern er dies bereits getan hat – nicht mehr den Eiffelturm in Paris sehen wollen. Denn in Ardèche, so scheint es, gibt es sehr viel mehr zu sehen als einen Turm – es ist nicht nur das wilde und das schöne Frankreich dort beheimatet, es ist auch ein bisher vom Massentourismus verschontes Fleckchen Erde, auf dem man in vielfältiger Weise Urlaub machen kann.

Das Department westlich des Rhontals bringt eine lange Kulturgeschichte mit sich, doch erst in den 60er Jahren steigerte sich der Tourismus und die Bevölkerungszahl. Individualtouristen schätzen die wildromantische Natur, die Kalkfelsen und Schluchten und nicht zuletzt den Namensgeber der Region, den Wildwasserfluss Ardèche. Für Fotografen und Naturfans gibt es unzählige Möglichkeiten, die vielen kleinen Bäche und Flüsse sowie die Kastanienwälder, die Obstgärten oder die Berge zu begutachten und zu genießen, während sie sich dem mediterranen Klima hingeben. „Ferien in Südfrankreich: Ardèche“ weiterlesen

Das Dorf Labastide de Virac, Ardèche

In der Mitte des Weges, zwischen dem Pont d‘Arc, der die Ardèche-Schlucht überspannt und der Karsthöhle von Orgnac, liegt in Südfrankreich im Département Ardèche das Dorf Labastide de Virac. Labastide, ein mittelalterliches Dorf, das mit seinen kleinen Straßen samt den alten Häusern und einem verträumten Schloss förmlich zu einem Besuch einlädt. Erbaut in der Zeit zwischen dem 14. und dem 15. Jahrhundert, überwachte das Schloss samt seiner Bewohner besonders den Übergang des Pont d‘Arc. 1629 befahl Ludwig der XIII. seinem Minister, Kardinal Richelieu die Wälle und Teile des Schlosses von Labastide de Virac zu zerstören.

1978 wurde das Schloss als historisches Bauwerk eingestuft und ist für Besucher geöffnet. Innenhof und Terrasse wurden im Renaissancestil erbaut, jedoch eine Augenweide ist der große Saal mit seinem Schornstein. Ausgeschmückt mit kunstvollen Möbeln und betagten Gegenständen. Ein Seidenmuseum ist ebenso im Schloss untergebracht. Hier kann der interessierte Besucher die Entwicklung vom Ei bis zur fertigen Puppe und der damit einhergehenden Seidenproduktion beobachten. Zahlreiche Dörfer (339) befinden sich im Departement Ardèche, das mit 286000 Einwohnern auf 550000 Hektar Gesamtfläche in Südfrankreich liegt.

Wer ein Hotel oder Camping ablehnt, findet ohne Probleme ein Ferienhaus oder eine Ferienwohnung. Wer keine Speisen in seiner Ferienwohnung zubereiten mag und zudem noch gerne schlemmt, dem sei ein typisches französisches Mahl empfohlen. Ein komplettes Menü besteht aus Vorspeise (hors d’oeuvre), Zwischengericht (entrée), Hauptgericht (plat principal) und Nachtisch (dessert). Befindet man sich nach einem solchen üppigen Menü wieder in seinem Ferienhaus, so besteht durchaus Anlass zum nachträglichen Schwärmen, aufgrund jener lukullischen Genüsse.

Selbstverständlich bietet dieses reizvolle Departement eine Vielzahl an Sehenswürdigkeiten, wie zerklüftete Landschaften, wilde Flüsse, verborgene Grotten und zahlreiche Museen. Zwischen Vallon Pont d‘Arc und Saint Martin d‘ Ardèche erstreckt sich über einer Länge von 35 Kilometern eine beeindruckende Felsformation, deren Alter von Geologen auf 110 Millionen Jahre festgelegt wurde. Im Laufe der Jahrmillionen grub der reißende Fluss zahlreiche Höhlen, Grotten und Schluchten in den weichen Kalkstein. Ein besonderes Panorama bildet der im Jahre 1982 klassifizierte Pont d‘Arc, dessen prächtiger, 66 Meter durchmessender Bogen die Schlucht überspannt.

Nahe bei Les Vans befindet sich der Bois de Paiolive, ein versteinerter Wald, der von weißen Eichen bewachsen ist. Aufgrund der fortschreitenden Erosion wurden verworrene Labyrinthe gegraben, die wiederum in sich skurrile, natürliche Skulpturen beherbergen. Zwischen Burzet und Lachamp befindet sich der Wasserfall des Ray Pic, der zwischen Basaltblöcken 60 Meter in die Tiefe stürzt. Vom Gerbier-de-Jonc, einem 1551 Meter hohen Berg, auf dem zudem die Loire entspringt, genießt man eine wunderbare Aussicht. Interessiert man sich für die Frühgeschichte der Menschheit, wird ein Besuch des Museums der Chauvet-Grotte empfohlen. 1994 entdeckt, befinden sich darin mehr als vierhundert Felsmalereien, deren Alter 30000 Jahre beträgt. Die Grotte selbst kann nicht besucht werden, es gibt aber ein Museum und eine Nachbildung der Grotte zwecks Besichtigung ist in Vorbereitung.

Die nahe Provence lockt mit Düften und Licht

Angenehmes Klima

Die Provence, sagen viele, sei der schönste Teil Frankreichs. Gelegen in Südfrankreich, besticht die Gegend durch ihre Lage am Mittelmeer und durch ihre konstante Wärme. Es handelt sich dabei um eine der sonnenreichsten Regionen des Landes. Pro Jahr scheint bis zu 2.900 Stunden die Sonne. In Deutschland dagegen sind es mindestens 1.000 Sonnenstunden weniger. Das Mittelmeerklima bietet im Sommer tägliche Temperaturen von über 30 Grad Celsius. Regen fällt nur selten und wenn, dann sind es meist nur kurze, aber kräftige Gewitter. Das ändert sich im Herbst. Auch der Winter ist fast immer sonnig und mild. Selten fällt die Temperatur unter zehn Grad Celsius. Somit wird die Region ganzjährig zum angenehmen Reiseziel.

Land der Düfte und des Lichts

Besonders für die Sinne hält Südfrankreich einige Überraschungen parat. So sind die Felder im Hochsommer in ein lilafarbenes Licht getaucht. Lavendel, soweit das Auge blicken kann. So wird Südfrankreich auch „Land des Lichtes“ genannt. Nicht umsonst kehrten viele berühmte Maler in dieser Gegend ein, um sie auf ihre Leinwände zu bannen. Die sehr fruchtbaren Gebiete bescherrten der Provence schnell den Zweitnamen „Garten Frankreichs“. Schließlich werden auf den schier endlosen Felden viele Kräuter angebaut. Neben Lavendel gehören Thymian und Rosmarin zu den bekanntesten. Somit strömt stets ein feiner, intensiver Geruch in jede Pore. „Provinz der Düfte“ – diesen Namen besitzt die Region nicht umsonst.

Viele kostbare Baudenkmäler

Für Individualtouristen empfiehlt sich eine Ferienwohnung oder ein Ferienhaus. Von hier aus lässt sich bequem die Umgebung erkunden. Marseille und Nizza sind die bekanntesten Städte der Provence. Hier lassen sich wunderbar Kultur und Moderne miteinander verbinden. Neben den Altstädten von Avignon und Nizza sind besonders die Orte Arles und Grimaud einen Ausflug wert. Viele Bauwerke in Arles gehören inzwischen zum Weltkulturerbe. Grimaud spielte bereits im Mittelalter aufgrund seiner exponierten Lage über der Bucht des Golfes von Saint-Tropez eine bedeutende Rolle. Auch Wanderer kommen auf ihre Kosten: Das Luberon-Gebirge mit seinen Tälern zählt als die schönste Wanderregion des gesamten Südens.

In einem gemütlichen Restaurant kann nach einer Wanderung die typisch provenzialische Küche genossen werden: Fischsuppe oder Ratatouille mit einem Glas Rotwein. Der Wein besitzt weit über Frankreichs Grenzen hinaus einen ausgezeichneten Ruf. Aufgrund seiner Lage am Meer gehören Fisch und Meeresfrüchte zu den Nationalspeisen. Der fruchtbare Boden lässt auch Obst wunderbar gedeihen. Feigen, Melonen, Trauben, Pfirsiche und Orangen gehören unbedingt auf den gedeckten Tisch dazu. Dazu werden sich schnell angenehme Gespräche mit den Einheimischen entwickeln. Die Provenzalen sind entspannt und gesellig. Auf ihre Kultur und Heimat sind sie sehr stolz.

Rechtzeitig buchen

Frankreich eignet sich aufgrund seiner warmen Nächte sehr gut zum Camping. Wer sich für eine Ferienwohnung oder ein Ferienhaus entscheidet, ist gut beraten, das Objekt rechtzeitig zu buchen. Die Übernachtungsmöglichkeiten sind gerade in der warmen Jahreszeit heiß begehrt.

 

Mit dem Boot durch die Ardèche-Schlucht

Unvergessen für Ihren Ardèche-Urlaub bleibt die eintägige Tour im Boot (Kanu oder Kajak) durch die Ardèche-Schlucht. Der schönste und spektakulärste Abschnitt ist etwa 30 km lang.

In der Hochsaison Juli und August ist immer viel los auf dem Fluß, teils sind Schulklassen und Jugendgruppen unterwegs mit entsprechendem Lärm. Wen das aber nicht stört, der kommt in den Genuß der fantastischen Aussicht hinauf zu den senkrechten Felswänden, den malerischen Sand- und Kiesbänken, dem Spiel von Licht und Schatten.

Am besten brechen Sie morgens um 9.00 in Vallon-Pont-d’Arc auf, Sie bewältigen dann leicht die 30 km Strecke flussabwärts bis Sauze bei St.-Martin-d’Ardèche. Um ca. 18.00 bis 19.00 Uhr nachmittags werden Sie vom Kanu-Verleiher dort wieder abgeholt, meist mit einem großen Bus. Die Boote kommen hinten in einen Anhänger. Unentschlossene probieren erstmal die kurze Tour von etwa 7 km. Jeder Bootsverleiher bietet auch diese an. Bootstouren im Hochsommer sind so eine Sache: kleinere Flüsse haben oft einen niedrigen Wasserstand und man muß dann die Boote oft mühsam über Kiesbänke ziehen. Das liegt daran, dass die Flüße oben in den Bergen oft aufgestaut werden und zur Bewässerung für die Landwirtschaft dann sehr nur rationiert in ihr Flußbett entlassen werden. Bei der Ardèche ist man hier auf der sicheren Seite, da diese relativ groß und wasserreich ist. Man kommt also meist auch in flacheren Passagen gut durch.

Für die wunderschöne und romantische Tagestour durch die Ardèche-Schlucht nehmen Sie immer ausreichend Wasser, Sonnenschutz und Proviant mit. Für Wertgegenstände wie Autoschlüssel, Geldbörsen und Fotoapperate erhalten Sie vom Bootsverleiher wasserdicht verschraubbare Plastiktonnen. Geeignete Schuhe für das Wasser sollten Sie auch dabei haben (Sportschuhe oder Plastik-Sandalen mit Verschluss, Badelatschen gehen leicht verloren). Ein Tipp: lieber Kanus statt Kajaks auswählen. Bei langsamen Gewässern (und dies ist auf der Ardèche meist der Fall) ist ein Kajak für Ungeübte meist sehr mühsam zu steuern. Es dreht ständig und man muß stark gegenhalten. Ein Kanu läuft schön geradeaus und man alleine oder auch zu zweit mit Kind darin sitzen. Langschläfer bringt der Bootsverleiher mit dem Bus und der Ausrüstung einige Kilometer flussabwärts für den Start, da sonst die Zeit knappt wird. Das ist allerdings schade, da man dann nicht durch den Pont d’Arc paddelt, das 64 Meter hohe Felsentor, durch das der Fluß sich einen Weg gefressen hat. Das Paddeln gegen den Wind kann auch recht anstrengend sein (falls gerade der Mistral weht), da der Fluß meist eher langsam fließt. Etwa auf halber Strecke gibt es einen Biwak-Platz (Zelt und Schlafsack mitnehmen!), man kann die Tour also auch auf 2 Tage verteilen, wenn man sich extra viel Zeit nehmen möchte, um alles zu geniessen.

Sie passieren einige Stromschnellen auf der Tour, im Französichen „rapides“ genannt. Auch einige besonders imposante Aussichten:

1. Le rapide de Charlemagne kurz vor dem Pont-d’Arc
2. Le Pont-d’Arc, ein Fels, durch den der Fluß in einem 64 Meter hohen „Torbogen“ fließt
3. Le rapide des trois eaux
4. Le rapide du Gué de Guitard
5. La Cathédrale, eine imposante Felsformation in Form einer gothischen Kathedrale
6. Le rapide de la Pastiere
7. Le Cirque de la Madeleine, eine enge Flußschleife von nahezu 360 Grad

Am Ende der Schlucht bei Sauze warten die Bootsverleiher am Abend auf Ihre Kunden (achten Sie auf den Namen und das Logo Ihres Verleihers, manchmal erkennt man schon die teils sehr auffälligen Farben der Boote auf der Kiesbank von weitem). Keine Panik, sollten Sie mal etwas später dran sein. Die Verleiher lassen niemanden zurück. Notfalls fahren Sie wegen einem fehlenden Kunden nochmal zu Ziel, um diesen abzuholen. Man muss allerdings unter Umständen ein wenig warten (30 Minuten bis 1 Stunde), wenn man die erste Fuhre zurück verpasst. Am Besten ist die Ankunft zwischen 18:00 und 19:00 Uhr.

Es gibt auch Verleiher, die machen es umgekehr: Sie parken mit Ihrem Auto am Ziel in Sauce und der Verleiher fährt Sie an den Start bei Vallon. Dann können Sie bei Ihrer Ankunft gleich ins Auto und nur das Boot und die Ausrüstung werden am Ziel abgeholt.